St.-Gotthard-Gymnasium der Benediktiner Niederaltaich

Selbstorganisiert – aber nicht planlos

Schüler-Eltern-Lehrerforum am St.-Gotthard-Gymnasium

Am St.-Gotthard-Gymnasium lud Schulleiter Johann Lummer am Freitagnachmittag vor den Allerheiligenferien Klassensprecher, Elternvertreter und Lehrkräfte zum diesjährigen Schüler-Eltern-Lehrerforum ein. In der vollbesetzten Aula konnte Oberstudiendirektor Lummer zudem Fr. Vinzenz Proß als Vertreter des Schulträgers begrüßen.

Im Mittelpunkt des Forums stand das Thema „Selbstorganisiertes Lernen“ – ein Konzept, das in Niederalteich im laufenden Schuljahr systematisch eingeführt und durch digitale Strukturen unterstützt wird. Dabei geht es um die Entwicklung der Kernkompetenzen „Eigenverantwortung“, „Selbständigkeit“ und „Selbstevaluation“. Im Idealfall reflektieren Lernende in diesem System ihre eigene Lernpraxis, passen sie an und bilden ein dynamisch-individuelles Konzept aus. Der unterrichtliche Input wird dabei als Stimulus für die Eigenbeschäftigung und Vertiefung des Lehrstoffs verstanden.

Genau an diesem Punkt setzte der Impulsvortrag von Prof. Peter Schmieder von der Hochschule Deggendorf an. Er ist dort auf die Forschungsbereiche Konfliktmanagement und Wirtschaftsethik spezialisiert. Unter der Überschrift „Selbstorganisiert – aber dafür ohne Plan?“ bezog sich Prof. Schmieder auf die Frage nach dem Verhältnis der Lernpraxis an allgemeinbildenden Schulen zu den Anforderungen im Bereich Lernkompetenz an den Universitäten. Schmieder berichtete aus der eigenen Perspektive seiner Studienzeit über die Herausforderungen des Lernens in einer sich rasant verändernden Welt. Sein zentrales Statement lautet: „Wir müssen etwas tun.“ Als Beleg lieferte er Zahlen, nach denen 25 Prozent der Schulabgänger als nicht mehr berufsfähig, und zwischen zehn und fünfzehn Prozent der Gymnasiasten als nicht studierfähig gelten. Der Grund: Es fehle an Sozial- und Selbstkompetenzen – also an Fähigkeiten wie Selbstdisziplin, Organisation, Zielorientierung und Zeitmanagement.

Die heutige Welt lasse sich durch das Akronym VUCA charakterisieren, das sich aus Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität zusammensetzt. Das weltweite Wissen verdopple sich mittlerweile alle acht Monate. Als Antwort darauf brauche es neue Lernformen nach dem Grundsatz, dass Wissen heute nicht mehr das ist, was man einmal gelernt hat, sondern das, was man sich immer wieder neu erschließen kann.

Besonders eindrücklich schilderte Schmieder den kulturellen Unterschied zwischen Lernkulturen. Während in Deutschland noch immer das Prinzip gelte „Lerne alles und mache keine Fehler“, wird in den USA propagiert, dass Lernen ein Prozess sei, der Irrtümer einschließe nach dem Motto: fail quick and learn fast. Demnach gehören Fehler zum Lernen dazu. Sie bilden in diesem Konzept sogar wesentliche Katalysatoren auf dem Weg zum Lernerfolg.

Schmieder stellte dann aktuelle Forschungsergebnisse zum Lernen vor – unter anderem die bekannte Vergessenskurve nach Ebbinghaus. Effektives Lernen, so führte er aus, funktioniere durch Wiederholung, Anwendung und kurze Lernzyklen. Lernvideos etwa sollten nicht länger als zehn Minuten sein, um Konzentration und Motivation zu fördern. „Make the classroom count“ sei dabei ein wesentliches Prinzip. Demnach müsse der Unterricht Anwendungserlebnisse schaffen, die Wissen verankern und Lust auf mehr erzeugen.

Nach dem Vortrag teilten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Jahrgangsgruppen auf, um eigene Erfahrungen zum Thema „Lernen“ auszutauschen. In der Aula, im Gotthardsaal und in weiteren Räumen der Schule wurden Ideen gesammelt, wie selbstorganisiertes Lernen in den verschiedenen Stufen umgesetzt und weiterentwickelt werden kann. Nach einer Kaffeepause trafen sich alle Gruppen zu einem gemeinsamen Plenum, in dem zentrale Ergebnisse vorgestellt wurden.

Das Forum bot nicht nur Denkanstöße, sondern motivierte, Bewährtes weiterzudenken und das Konzept des selbstorganisierten Lernens an der Schule weiterzuentwickeln. Abschließend bedankte sich Schulleiter Johann Lummer bei allen Beteiligten und besonders bei Prof. Schmieder für seine anregenden Ausführungen.

Bernhard Falk / 06.11.2025