Das Konzervator steht in der Trägerschaft des Deutschen Ordens, der historisch in Opava sehr einflussreich war. Der Kontakt kam durch die stellvertretende Schulleiterin des St.-Gotthard-Gymnasiums, Sr. M. Gratia Rotter zustande, die dem Deutschen Orden angehört.
Opava ist eine aus der bayerischen Sicht weit abgelegene Stadt in Tschechien. Vom Donautal aus liegt Böhmen näher. Dabei ist Opava alles andere als ein Provinzort am Rand der Grenze zu Polen. Man erahnt in den imposanten Häuserzeilen, im eindrucksvollen Bahnhofsgebäude und nicht zuletzt im prachtvollen Theaterbau in der Stadtmitte die Rolle Opavas als ehemalige Hauptstadt Österreich-Schlesiens im Reich der Habsburger. Auch heute ist Opava von einem reichen kulturellen und wirtschaftlichen Leben geprägt.
Das Programm gliederte sich in Unterrichtshospitationen, in Besichtigungen und Theaterbesuche. Im Schulbetrieb lernte die Schülergruppe das tschechische Schulsystem kennen. Nach der 9-jährigen Mittelschule können sich Jugendliche in verschiedenen Bereichen spezialisieren. Im Konzervator vertiefen sie ihre Fähigkeiten im Gesang, auf dem Instrument, in Chor-Orchesterleitung oder im Schauspiel. Entsprechend hochklassig sind die Leistungen, wie bei einer Geigerin zu erleben war, die mit ihrer Lehrerin am Violinkonzert von Tschaikowksy arbeitete. Werke in diesem Schwierigkeitsgrad liegen gewöhnlicherweise weit außerhalb der Möglichkeit bayerischer Gymnasiastinnen und Gymnasiasten.
Neben der faszinierenden Architektur der Stadt in der Mischung aus Ringstraßenbauten, aus Jugendstil, klassischer Moderne und funktionalen Hinterlassenschaften der kommunistischen Zeit hinterließen vor allem die Theateraufführungen einen bleibenden Eindruck. Mit dem Stück Mrazìk lernten die Niederalteicher eine der populärsten Weihnachtserzählungen im slawischen Raum kennen. In Deutschland ist die Geschichte als „Väterchen Frost“ bekannt. Der zweite Besuch des Schlesischen Theaters war dramatischer. Geboten wurde die Oper Carmen von Georges Bizet mit einem ausdrucksstarken Ensemble und stimmungsvollen Bühnenbild.
Als besondere Ehrerbietung für den Besuch aus Deutschland wartete das komplette Ensemble aus Sängern, Tänzern und dem Dirigenten nach beiden Vorstellungen auf der Bühne für ein Fotoshooting. Nach der Aufführung des Mrazìk konnten die Schülerinnen und Schüler noch den weit verzweigten Backstagebereich des Theaters erkunden.
Begleitet wurden die Gäste aus Niederalteich höchst umsichtig und gastfreundlich von der Schulleiterin Nikola Sklenářová und ihrer Stellvertreterin Eva Bohuslavová. Eindrucksvoll war die Begegnung mit dem Mitglied des Schulleitungsteams Herrn Zdeněk Kapl, der im Theater in der Rolle der Hexe Baba Yaga und in Carmen als Zuniga zu erleben war. Mit dem Pianisten Luca Gualco schließlich verbrachte die Gruppe einen überaus geselligen Abend mit italienischen Spaghetti, die der Meister selbst zubereitete. In der abschließenden Runde mit dem Leitungsteam des Konzervators wurde vereinbart, dass mit einer Abordnung von Studentinnen und Studenten aus Opava ein Gegenbesuch in Niederalteich erfolgen soll.
Bernhard Falk / 24.11.2025


























