1997 führten Schülerinnen und Schüler des St.-Gotthard-Gymnasiums die Kinderoper Brundibar in Niederalteich auf. Am 27. Januar 2026 kommt das Werk des tschechischen Komponisten Hans Krása wieder auf die Bühne. Der Termin ist nicht zufällig gewählt. Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit. An diesem Tag wird in Deutschland der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.
Hans Krása komponierte die Oper Brundibar 1938 für einen Wettbewerb in Prag, der aufgrund der deutschen Annexion nicht mehr durchgeführt wurde. 1943 wurde Krása in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Theresienstadt war als Vorzeigelager konzipiert, in dem die überwiegend aus der jüdischen Bevölkerung Tschechiens stammenden Gefangenen kulturellen Betätigungen nachgehen konnten. In diesem Zusammenhang sind die 55 Aufführungen der Oper Brundibar durch die jüdischen Lagerkinder zu sehen. Für sie waren die Aufführungen Lichtblicke in der Gefangenschaft. Die 40 Chorkinder mussten häufig neubesetzt werden, weil viele in das Konzentrationslager Auschwitz transportiert und in den Gaskammern ermordet wurden. Dieses Schicksal ereilte auch den Komponisten Hans Krása, der 1944 in Auschwitz starb.
Brundibar ist thematisch keine Lageroper. Es ist eine Geschichte über die Kraft des Zusammenhalts, die in der Schlusshymne die Freundschaft als Voraussetzung für ein gelungenes Leben feiert. Die Kinder Aninka und Pepicek wollen auf dem Marktplatz Milch für ihre kranke Mutter besorgen. Weil sie kein Geld haben, beschließen sie, wie der Leierkastenmann Brundibar, zu singen und welches zu sammeln. Aber Brundibar vertreibt sie grob aus seinem Revier. Da kommen der Spatz, die Katze und der Hund Azor den beiden zu Hilfe und schaffen es gemeinsam mit den Schulkindern, Brundibar zu vertreiben. Bereitwillig spenden die Erwachsenen nun den singenden Kindern das nötige Geld, um Milch zu kaufen.
Wie viele jüdische Komponisten geriet Hans Krása nach dem Krieg in Vergessenheit. Dabei gehörte er zur künstlerischen Avantgarde der Zeit. Dementsprechend anspruchsvoll ist auch der Brundibar, der klangliche und formale Raffinesse mit farbig-moderner Melodik verbindet. Erst in den 70er Jahren wurde Brundibar wiederentdeckt. Seitdem gehört das Werk zum Bestand von Kindertheatern und Opernhäusern.
Die Gemeinschaftsethik der Handlung, so berichten die Solistinnen und Solisten der Oper, die den Holocaust überlebten, gab den Kindern Kraft und Zuversicht in einer Lage, die für sie aussichtslos erschien. Die Aufführung des Brundibar in Niederalteich soll genau diese Ambivalenz widerspiegeln: Eine Kindergeschichte, die Mut macht und anspornt zum Zusammenhalt - und eine Erzählung als mahnende Erinnerung an die Vergangenheit!
Bernhard Falk / 08.01.2026













