Dass das P-Seminar „Literaturwerkstatt“ der 11. Jahrgangsstufe von Lehrer Peter Hatzl besonderen Besuch bekommen würde, war schnell klar. Dass dieser Besuch aber derart viele persönliche Bezüge zum St.-Gotthard-Gymnasium haben würde, überraschte dann doch selbst eingefleischte Schulchronisten.
Mit Michaela Karl (Abitur 1991 am SGG) und Angelika Schwarzhuber waren zwei vielfach ausgezeichnete Autorinnen zu Gast, deren Lebensläufe eng mit unserer Schule verknüpft sind: Michaela Karls Mann sowie weitere Verwandte legten ebenfalls ihr Abitur am SGG ab – ihre Tante war sogar die erste Schülerin der Schulgeschichte. Angelika Schwarzhuber wiederum kann auf gleich zwei Söhne mit SGG-Abitur verweisen. Man darf also mit Fug und Recht von einem literarischen Heimspiel sprechen.
Beide Autorinnen gewährten den neun Schülerinnen des Seminars ebenso ehrliche wie unterhaltsame Einblicke in ihr Berufsleben. Dabei wurde schnell deutlich: Der Weg ins Schriftstellerinnendasein ist selten geradlinig. Sowohl Karl (promoviert und in der Anfangszeit parallel an der Universität tätig) als auch Schwarzhuber (ebenfalls lange im Nebenberuf schreibend) berichteten offen von schwierigen Anfangsjahren, von Absagen, Glücksmomenten und der Notwendigkeit, an die eigene Stärke zu glauben.
Besonders faszinierend waren die Einblicke in ihre sehr unterschiedlichen Arbeitsweisen. Michaela Karl schreibt historische Sachbücher in erzählender Form über verstorbene Persönlichkeiten, für die sie jahrelang recherchiert, inklusive der Auswertung von FBI-Akten. Ihre Romanfiguren werden zunächst per Exposé Familie und Freunden vorgestellt und „ziehen dann zuhause ein“: Man diskutiert ihre Gefühle, besucht im Urlaub Lebensstationen und steht am Ende sogar am Grab der beschriebenen Person, wo Karl regelmäßig das verfasste Buch niederlegt. Angelika Schwarzhuber, die überwiegend mit fiktionalen Stoffen arbeitet, gestand mit einem Lächeln, dass sie es hier etwas leichter habe – schließlich könne sie sich alles ausdenken.
Auch der literarische Betrieb wurde nicht ausgespart: Zusammenarbeit mit Lektorinnen und Agenten, die heutige Verlagslandschaft, Termindruck vor Abgaben – und die Rituale danach. Diese reichen vom wilden Tanzen zu lauter Musik bis zu Pizza und Bier, wenn eine Serienfolge oder ein Film ausgestrahlt wird, zu dem man das Drehbuch geschrieben hat. Dass es die legendären Schriftstellerpartys früherer Zeiten kaum noch gibt (Ausnahme: Buchmessen), bedauerten beide hörbar – wenn auch mit augenzwinkernder Gelassenheit.
Trotz aller Herausforderungen betonten beide Autorinnen, wie sehr sie ihren Beruf lieben – die kreative Freiheit ebenso wie die Möglichkeit, eigenständig zu arbeiten. Dass daneben ganz profan auch noch ein Haushalt zu führen ist, wurde realistisch, aber humorvoll ergänzt.
Besonders erfreulich war die große Offenheit gegenüber den Schülerinnen: Beide Autorinnen gingen intensiv auf deren Lesevorlieben und Berufswünsche ein und erkundigten sich, ob jemand eine Zukunft im literarischen Bereich erwäge. Schulleiter Johann Lummer, der die Autorinnen begrüßte, ließ sich vom anregenden Austausch ebenfalls fesseln und blieb die gesamten 90 Minuten anwesend.
Zum Abschluss gab es noch ein Versprechen, das vor allem die jungen Autorinnen des Seminars freuen dürfte: Michaela Karl und Angelika Schwarzhuber sagten zu, am Schulfest zum Schuljahresende in der Jury mitzuwirken, die die selbstgeschriebenen Texte der Schülerinnen bewerten wird.
Ein Besuch, der nicht nur inspirierte, sondern auch zeigte: Große Literatur beginnt manchmal ganz nah – und gelegentlich sogar im eigenen Schulhaus.
Peter Hatzl / 20.01.2026
















