St.-Gotthard-Gymnasium der Benediktiner Niederaltaich

Unter einem Himmel – Mehr als nur Staub

Gottesdienste zum Beginn der Fastenzeit lenken den Blick auf die Brüche im Leben - und deren Heilung.

Zum Beginn der Fastenzeit waren die einzelnen Jahrgangsstufen in die Basilika eingeladen, um das Aschenkreuz zu empfangen und sich Gedanken über die anstehende Fastenzeit zu machen. Frater Symeon leitete die Gottesdienste, die von den einzelnen Religionslehrerinnen und – lehrern vorbereitet worden waren.

In einer kurzen Ansprache fesselte Frater Symeon die jungen Gymnasiasten mit seinen Überlegungen zur Asche und den Rissen und Brüchen in unserem Leben. „Habt ihr euch schon mal gefragt, warum wir uns am Anfang der Fastenzeit gegenseitig Dreck ins Gesicht schmieren? Dabei sagt derjenige, der die Asche austeilt zum Beispiel den Satz: ‚Kehr um und glaube an das Evangelium‘. Oder auch: ‚Kehr um und glaub an die frohe Botschaft: Gott liebt Dich. Hör auf Ihn‘. Die meisten würden allerdings den Satz verwenden: ‚Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst‘“. Eher ein ultimativer Motivations-Killer, wie Frater Symeon meinte. Nach dem Motto: „Egal, wie viel Mühe du dir gibst, am Ende bist du eh nur Asche.“

„Aber Asche ist spannend“, so Frater Symeon weiter. „Sie ist das, was übrigbleibt, wenn man alles Überflüssige wegbrennt. Wenn die Filter weggewaschen sind, wenn die Fassade bröckelt. Asche ist ehrlich. Das Aschekreuz sagt: ‚Du musst heute nicht perfekt sein. Du darfst deine Schwächen zeigen. Du darfst zugeben, dass du manchmal am Ende bist‘. Das ist ein ehrlicher Startschuss in die Fastenzeit: Ein Moment des Innehaltens“.

Frater Symeon nahm auch Bezug zum Hungertuch, das vor dem Altar aufgebaut war: „Wenn wir uns das aktuelle Hungertuch anschauen, sehen wir keinen perfekten, strahlend blauen Himmel. Wir sehen einen geteilten Himmel. Da sind Risse, da sind Linien, da sind verschiedene Fragmente, die zusammengesetzt wurden. Eigentlich ist das ein Bild für unser Leben und unsere Welt gerade. Dieses Tuch sagt uns: Der Himmel ist nicht weit weg und glattgebügelt. Himmel findet hier statt – so oder so; auch und gerade in den Brüchen unseres Lebens“.

Das Spannendste am Hungertuch, so Frater Symeon, seien die goldenen Akzente in den Rissen: „In der Kunst gibt es eine Technik, bei der zerbrochene Keramik mit Gold geklebt wird. Es ist danach wertvoller als vorher“.

Das Aschekreuz sei genau das: Ein Zeichen für unsere Brüche. Aber Gott sieht in der Asche kein wertloses Pulver, sondern das Gold. Er sieht in unseren Brüchen kein Ausschlusskriterium, sondern eine Chance, uns anzurühren und uns zu heilen. Die Fastenzeit sei keine Zeit der Traurigkeit, sondern eine Zeit der Baustelle. Wir würden in dieser Zeit daran arbeiten, dass der geteilte Himmel über uns, zwischen uns und in uns wieder ein Stück ganzer wird. Nicht durch große Reden, sondern durch Taten. Liebe sei Tat - das sei die krasse Botschaft in den nächsten Wochen.

Und so waren die Schülerinnen und Schüler äußerst aufmerksam, als ihnen der Spruch „Bedenke, dass Du Staub bist: Goldstaub – in den Gott einen Traum gelegt hat. Gott liebt Dich. Hör auf ihn!“ auf den Kopf hin zugesagt wurde.

Begleitet wurden die Wortgottesdienste von Johannes Platzer und Emma Ziermann an der Orgel und der Klasse 10b als Schola unter der Leitung von Christoph Hackl.

Alfred Hüttinger / 27.02.2026