Am Montag, den 20. April 2026, durfte das St.-Gotthard-Gymnasium Niederalteich die Landtagsabgeordnete Ruth Müller (SPD) begrüßen. Sie besuchte die Schule zu einem politischen Austausch mit Schülerinnen und Schülern der 11. Jahrgangsstufe. Besonders hervorzuheben ist dabei ihr Engagement: Frau Müller nahm eine Anreise von nahezu 100 Kilometern auf sich, um den direkten Dialog mit den Jugendlichen zu ermöglichen – ein Einsatz, der von allen Beteiligten große Wertschätzung erfuhr.
Der Besuch kam nicht von ungefähr: Bereits im vergangenen Jahr hatte sich im Rahmen des Planspiels „Der Landtag sind wir!“ – an dem das St.-Gotthard-Gymnasium als einzige Schule Niederbayerns teilnahm – ein erster Kontakt ergeben. Nun folgte gewissermaßen der Gegenbesuch.
Zu Beginn wurde Frau Müller von Schulleiter Johann Lummer herzlich empfangen. In seiner Begrüßung sprach er zentrale Herausforderungen an, mit denen Schulen in kirchlicher Trägerschaft aktuell konfrontiert sind: Lehrermangel, begrenzte räumliche Kapazitäten sowie finanzielle Engpässe. Frau Müller griff diese Punkte unmittelbar auf und bestätigte, dass ähnliche Probleme auch an kirchlichen Schulen in ihrem Stimmkreis auftreten. Gleichzeitig betonte sie, dass gerade diese Schulen durch ein besonders ausgeprägtes politisches Engagement auffielen und sie selbst häufig dorthin eingeladen werde.
Eine persönliche Verbindung zu Niederalteich stellte Frau Müller ebenfalls her: Die Bilder des verheerenden Hochwassers von 2013 seien ihr bis heute eindrücklich im Gedächtnis geblieben.
Im Anschluss gewährte die Abgeordnete den Schülerinnen und Schülern Einblicke in ihren politischen Werdegang. Ein prägendes Erlebnis sei für sie der Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 gewesen, den sie als 22-Jährige bewusst miterlebte. Dieses Ereignis habe sie nachhaltig politisiert und ihr die Bedeutung von Freiheit und Demokratie vor Augen geführt. Seitdem sei es ihr ein zentrales Anliegen, sich aktiv für demokratische Werte einzusetzen.
Auch ihr Engagement begann früh: Bereits 2002 sammelte sie – mit ihrem dreijährigen Sohn im Kinderwagen – Unterschriften gegen die Einführung des achtjährigen Gymnasiums (G8). In diesem Zusammenhang erläuterte sie auch ihre bewusste Entscheidung für die SPD: Nach ersten politischen Aktivitäten in einer eigenen Wählerinitiative habe sie sich dieser Partei angeschlossen, da sie für sie wie keine andere für soziale Gerechtigkeit und Gleichberechtigung stehe.
Nach einer ersten, noch erfolglosen Kandidatur für den Bayerischen Landtag im Jahr 2008 gelang ihr schließlich 2013 der Einzug ins Parlament. Dort war sie unter anderem im Gesundheits-, Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss tätig und engagierte sich als frauenpolitische Sprecherin. Auch das Amt der Generalsekretärin der Bayern SPD bekleidete sie.
Besonders beeindruckte die Schülerinnen und Schüler, dass Frau Müller keinen klassischen politischen Karriereweg einschlug: Nach der mittleren Reife absolvierte sie zunächst eine Ausbildung im Einzelhandel, bildete sich weiter und war rund 30 Jahre in der freien Wirtschaft tätig, bevor sie hauptberuflich in die Politik ging.
In der anschließenden Fragerunde entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Auf die Frage nach ihren politischen Zielen nannte Frau Müller vor allem die Stärkung des Demokratieverständnisses und des politischen Bewusstseins – insbesondere bei jungen Menschen und Frauen. Ihr Engagement für Gleichberechtigung wurde dabei deutlich: So berichtete sie, dass sie zwei Sommer lang alle Frauenhäuser in Bayern besucht habe, um sich ein umfassendes Bild von deren Situation zu machen. Gleichzeitig machte sie auf die weiterhin bestehende Männerdominanz in der Politik aufmerksam und betonte die Notwendigkeit, junge Frauen gezielt zu fördern.
Ein anschauliches Beispiel für gelingende Gleichstellung brachte sie von einem Besuch in Schweden mit: Beim Unternehmen Coca-Cola würden Mitarbeitende, die sich zeitweise verstärkt um ihre Familie kümmern, anschließend sogar bessere berufliche Perspektiven erhalten.
Darüber hinaus gewährte Frau Müller Einblicke in ihre Kandidatur als Landrätin im Landkreis Landshut und sprach offen über strukturelle Herausforderungen im ländlichen Raum, etwa im Bereich der medizinischen Versorgung und im Zuge von Krankenhausreformen.
Besonders nachdrücklich schilderte sie zudem Veränderungen im parlamentarischen Alltag seit dem Einzug der Alternative für Deutschland in den Bayerischen Landtag. Der Umgangston habe sich spürbar verändert, politische Auseinandersetzungen seien teilweise schärfer und grundsätzlicher geworden. Gerade vor diesem Hintergrund richtete sie einen eindringlichen Appell an die Schülerinnen und Schüler: Demokratie lebe vom Mitmachen, von klaren Werten und der Bereitschaft, für diese einzustehen. Es sei heute wichtiger denn je, Haltung zu zeigen und sich aktiv für die demokratische Ordnung einzusetzen.
Zum Abschluss unterstrich sie diesen Gedanken noch einmal persönlich: Wahlsonntage hätten in ihrer Familie stets einen besonderen Stellenwert gehabt – ein Ausdruck gelebter demokratischer Teilhabe.
Der Besuch bot den Schülerinnen und Schülern einen eindrucksvollen Einblick in die praktische Politik und zeigte, wie wichtig persönliches Engagement für das Funktionieren unserer Demokratie ist.
Peter Hatzl / 23.04.2026













