St.-Gotthard-Gymnasium der Benediktiner Niederaltaich

Streichquartett-Konzert der EW am St.-Gotthard-Gymnasium

Eine anschaulichere und bessere Vermittlung von Klassik lässt sich kaum denken.

Die Europäischen Wochen Passau pflegen mit ihrem Jugendorchester einen pädagogischen Auftrag und fördern damit Orchesternachwuchs aus der Region. Regelmäßig nehmen Schülerinnen und Schüler des St.-Gotthard-Gymnasiums daran Teil. Jetzt kamen die Europäischen Wochen selbst an die Schule, um für das Engagement aus Niederalteich etwas zurückzugeben. Intendant Dr. Carsten Gerhard brachte ein Streichquartett mit, das aus Mitgliedern der Orchesterakademie des Festivalorchesters Budapest besteht, einem der renommierten symphonischen Klangkörper der Welt. Schulleiter Johann Lummer bedankte sich im Namen der zuhörenden 9. und 10. Klassen für die Gelegenheit, die Profis Lucrezia Costanzo (Geige), Birgit Born (Geige), Barbora Butvydaite (Viola) und Pietro Silvestri (Violoncello) in Niederalteich erleben zu können.

Bewusst hatte die Gruppe Stücke dabei, die den Streichquartettklang aus unterschiedlichen Perspektiven und in vielfältiger Farbigkeit darstellten. Bei Mozart klangen die Instrumente wie ein geistreiches Gespräch unter Freunden. Durch den Kontrast der Themen knirschte es schon einmal, aber am Ende kam ein harmonischer Kompromiss zustande. In der Schlusskadenz strich man einhellig über die Saiten. Anders bei Grieg, dem Norwegischen Nationalkomponisten. Da schien  eine Lösung weit entfernt. Bedrohlich und düster zeichnet der Komponist seinen Tonsatz. Und wenn er einen lichten Ausweg andeutet, verfinstert er ihn gleich wieder mit einem massigen, fast symphonischen Streicherfilz. Tschaikowsky hingegen erlaubte im 2. Satz seines Quartetts Op.11/1 ein seliges Dahinsingen, melancholisch und verträumt; romantisch also im reinen Sinn in der Präsentation der zweiten Welt, die einen Traumraum eröffnet. Über den traditionellen Streichquartettsound hinaus ging dann die Komposition von Erwin Schulhoff, dessen Musik von den Nationalsozialisten als „entartet“ verfemt wurde. Seine Experimentierfreudigkeit machte ihn zu einem wichtigen Exponenten der Avantgarde, was erst in den letzten Jahren durch Einspielungen und Editionen gewürdigt wurde.

Vom ersten Ton an war klar, dass die musizierenden Gäste ihre Instrumente meisterhaft beherrschen. Sie brachten die klassische Klarheit Mozarts ebenso überzeugend auf die Bühne wie das dissonante Gewebe bei Schulhoff. Eine anschaulichere und bessere Vermittlung von Klassik lässt sich kaum denken. Dafür und für die besondere Stunde Quartettmusik bedankte sich Johann Lummer beim Quartett und bei Dr. Gerhard, der besonders zum Konzert des Jugendorchesters der Europäischen Wochen am 19. Juli in der Studienkirche in Passau einlud.

Bernhard Falk / 04.05.2026
Fotos: SGG/A. Hüttinger