St.-Gotthard-Gymnasium der Benediktiner Niederaltaich

„Bundestag im Klassenzimmer“ am SGG

Klassenprojekt der 10a mit "Bundestagsspiel"

Kanzler Stahl legt den Amtseid ab

Bundestagswahl
Am 20. November durften alle Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe sowie das gesamte Lehrerkollegium an einer Bundestagswahl teilnehmen. Diese Wahl fand im Rahmen des Projekts „Bundestag im Klassenzimmer“ der Klasse 10a zusammen mit ihrem Politiklehrer Herrn Reischmann statt. Die Teilnahme von Seiten der Schüler war sehr hoch, auch einige Lehrer nahmen teil. Insgesamt haben 45,8 % der Wahlberechtigten von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht.

Im Wahlkampf traten 5 Parteien gegeneinander an:

  • AFSGG mit Kanzlerkandidat Maximilian Schreiner
  • BBD mit Kanzlerkandidat Mark Zupcic
  • PZV mit Kanzlerkandidatin Viola Boewer
  • WISP mit Kanzlerkandidat Marius Stahl
  • ZFD mit Kanzlerkandidatin Sarah Schuster

Nach dem Auszählen der Stimmen ergab sich folgendes Ergebnis:

  • PZV mit 25,9%
  • WISP mit 23,5%
  • BBD mit 21%
  • ZDF und AFSGG mit 14,8%


Bundeskanzler – im zweiten Anlauf
Nach dieser Bundestagswahl sollte am 08.12.2025 die Kanzlerwahl im Klassenzimmer-Parlament stattfinden. Die Parteien hatten zuvor miteinander verhandelt und es sollte zur Koalition zwischen den Parteien WISP, BBD und PZV kommen, wobei der Kanzler in Person von Herrn Marius Stahl von der WISP gestellt worden wäre. Doch am Tag der Wahl entschied sich die WISP, diese Koalition zu verwerfen und stattdessen eine mit der eigentlichen Gewinnerpartei, der PZV, einzugehen. Dies sorgte natürlich für Missmut bei den anderen Parteien, was dazu führte, dass es keine Mehrheit für den Kanzler gab. Der Bundestagspräsident Herr Reischmann beschloss dann, einen zweiten Durchgang anzusetzen. Dieser erfolgte eine Woche später am 15.12.2025, bei der Herr Stahl schließlich doch noch Kanzler wurde.

Ausfragen weg!
Am 16.01.2026 wurde das erste Gesetz im Bundestag verabschiedet. Dieses Gesetz besagte, dass im Politikunterricht der Klasse 10a niemand mehr ausgefragt werden durfte. Weil natürlich trotzdem Noten erhoben werden mussten, sollten die Ausfragen durch 5-minütige Wochenrückblicksreferate über die politischen Geschehnisse der vergangenen Woche ersetzt werden. Nachdem der Gesetzesantrag durch den Bundesrat vorgestellt und im Bundestag ausgearbeitet worden war, wie diese Referate aufgebaut werden und was die Bewertungskriterien sein sollten, konnte das Gesetz schließlich in der 2. Lesung verabschiedet werden.

Weitere Gesetze
Es gab einige Reden zu neuen Gesetzesentwürfen. Das erste Gesetz beispielsweise befasste sich mit dem Thema „Mehr Mitspracherecht der Bürger in der Demokratie“, das zweite Gesetz war zum Thema „Wahlpflicht“. Das dritte Gesetz zielte auf die „Förderung der politischen Bildung und Partizipation von Jugendlichen“. In den darauffolgenden Sitzungen wurden weitere Gesetze vorgestellt, in den Lesungen besprochen und verabschiedet.

Politischer Aschermittwoch
Am 09.03.2026 wurde der politische Aschermittwoch nachgeholt. Dabei wurde allen Abgeordneten und dem Bundestagspräsidenten ordentlich die Meinung gesagt. Unter anderem wurde der Skandal von den Koalitionsverhandlungen aufgegriffen. Auch wurde die Arbeitshaltung verschiedener Abgeordneter kritisiert. Dem Bundestagspräsidenten wurde die Frage gestellt: „Kommt er überhaupt aus Bayern – oder nur aus einem politischen Märchenbuch?“

Bundesrat und Landtagswahlen
Bei „Bundestag im Klassenzimmer“ existierte nicht nur ein Bundestag mit gewählten Abgeordneten, die Klasse war auch in Bundesländer mit Länderparlamenten aufgeteilt. Selbstverständlich waren keine 16 Bundesländer möglich, sondern nur sechs Stück: Dies waren Thüringen, die Nordseeküste, das Rheinland, Sachsen, Großbayern und Preußen. Die Ministerpräsidenten dieser Länder tagten im Methodenraum und durften auch Gesetze einbringen. Außerdem wurden sie nach jedem Gesetzeserlass des Bundestages gefragt, ob sie zustimmen wollten oder nicht. Mehrere fingierte Landtagswahlen würfelten die Regierungen der Länder ordentlich durcheinander, sodass es zu spannenden politischen Situationen kam wie beispielsweise dem Plan einer Partei, mit dem von ihr geleiteten Bundesland aus 10a-Deutschland auszusteigen.

Teilnahme am „Demokratiepreis“ der PNP-Stiftung
Mit ihrem Projekt nahm die Klasse 10a auch am „Demokratiepreis“ der Stiftung der Passauer Neuen Presse teil. Zwar konnte kein Platz auf dem Treppchen errungen werden, doch gab es immerhin ein Preisgeld von 200 €, das der Klasse zugutekam.

 

Interview mit dem Bundeskanzler

Guten Tag Herr Stahl, ich darf sie sehr herzlich zu diesem Interview begrüßen! Beginnen wir gleich mit der ersten Frage:
Wie haben sie es geschafft im Rahmen eines Klassenprojekts, zum Bundeskanzler gewählt zu werden?

Herr Stahl: Ich glaube das Wichtigste ist es von Anfang an zu wollten und alles zu geben. Es fing an mit dem Wahlprogramm, ich würde zwar nicht sagen das war der Weg zum Erfolg, aber definitiv ein Meilenstein. Es ist auch nicht das Wahlplakat, sondern die Tatsache, dass man mit den Menschen redet, aber ihnen auch zuhört.

Welche Ziele haben sie sich zu ihrer Amtszeit gesetzt?

Herr Stahl: In erster Linie möchte ich natürlich die Ziele meines Wahlprogramms erfüllen, um meinen Wähler/innen den Kanzler zu geben, den sie gewählt haben. Direkt nach der Bekanntgabe der Wahlergebnisse, wurde mir aber klar, was die Aufgaben eines Kanzlers wirklich sind. Eine wichtige Aufgabe, an die ich selbstverständlich gerne herangehe, ist unter anderem, die Regierung mit der Opposition zu verbinden, um einen langfristigen Erfolg im Bundestag und darüber hinaus zu gewährleisten.

Wie unterscheidet sich Ihre Rolle im Spiel, von der eines echten Bundeskanzlers?

Herr Stahl: Hier im Spiel bleiben meine Aufgaben in der Schule bzw. im Politikunterricht, während ein echter Kanzler auch im Privatleben mit seiner Arbeit konfrontiert wird. Ich habe natürlich nicht so viele Aufgaben wie ein echter Bundeskanzler, aber für einen Schüler wie mich genau die richtige Menge an Aufgaben.

Welches Ihrer eingebrachten Gesetze ist Ihnen besonders wichtig, und warum?

Herr Stahl: Besonders wichtig ist mir das Mediengesetz, das Falschinformationen im Internet verbietet, dieses geht zwar nicht von meiner Partei aus, aber ich war im Ausschuss dabei. Ich finde es wichtig, weil es somit dazu führt, dass vor allem jüngere Personen nicht mit Fake News überschüttet werden, und dadurch ein falsches Weltbild erlangen. 

Wie überzeugen Sie andere Abgeordnete von Ihren Gesetzesvorschlägen?

Herr Stahl:  Ich brauche sie nicht überzeugen, da ich das Gefühl habe, dass wir innerhalb der Partei und auch der Koalition dieselben Interessen vertreten.

 

 

Wie ist die Zusammenarbeit im Parlament?

Herr Stahl:  Es ist etwas schwierig, da jede Partei andere Ansichten hat, aber dadurch, dass wir in den Pausen und Freiarbeiten auch darüber reden, kommen wir schnell auf einen gemeinsamen Nenner. Eben durch solche Meinungsunterschiede kommt es des Öfteren zu kleinen Diskussionen, die aber immer schnell beseitigt werden.

Was war bisher die größte Herausforderung als Kanzler in diesem Spiel?

Herr Stahl:  Es gab natürlich eine Situation, die eine große Herausforderung war, als die AfSGG ein konstruktives Misstrauensvotum gegen mich einleiten wollte. Da musste ich natürlich schnell Handeln, und habe daraufhin sofort in der nächsten Pause, eine Sitzung mit den Parteivorsitzenden der anderen Parteien einberufen, und sie davon üb überzeugt, hinter ihrem Kanzler zu stehen.

Was haben sie durch das Bundestagsspiel gelernt?

Herr Stahl:  Durch dieses Spiel, das unser Politiklehrer organisierte, habe ich gelernt, dass es als Bundeskanzler nicht nur darum geht, Macht zu haben, sondern dass es vor allem meine Aufgabe ist, die Verantwortung zu tragen.

Wenn sie ein Gesetz frei erfinden dürften – ohne Gegenstimmen – was wäre das für ein Gesetz?

Herr Stahl: Im echten Leben würde ich ein Gesetz einführen, das besagt, dass die Grundschule bis zur 7. Klasse geht, sodass man den Kindern bzw. Jugendlichen die Last nimmt, so früh zu entscheiden, wie ihr weiterer Lebensweg aussieht. Auch wenn sich drei Jahre nicht nach viel anhören, es ist trotzdem eine lange Zeit, die vor allem in diesem Alter einen großen Unterschied macht.

Würden Sie sich nach dem Spiel zutrauen, in der Politik aktiv zu sein, oder sogar einmal Kanzler zu werden?

Herr Stahl:  Ich würde es mir durchaus zutrauen, da ich bereits im Privaten politisch aktiv bin. Natürlich weiß ich, dass das ein ganz anderes Größenmaß ist und auch viel mehr Verantwortung ist.

Das wäre nun auch schon das Ende des heutigen Interviews. Vielen Dank für ihre Zeit!

Herr Stahl: Danke, dass ich hier sein durfte, danke auch für die gelungenen Fragen. Es würde mich freuen, irgendwann wieder kommen zu dürfen!

Katharina Bloch, Simon Reischmann / 11.06.2025