Wenn Du weit gehen willst, geh‘ mit anderen

Herbsttagung der Entwicklungshilfsorganisation Partnerschaft Shanti-Bangladesch in Niederalteich

„Als Sie heute Morgen ihre Kleidung aus dem Schrank holten, konnten Sie nicht ausschließen, dass diese unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert wurde. 15 Cent pro Stunde bekamen die Textilarbeiter in Bangladesch für die Schufterei an den Nähmaschinen. Diese Löhne sichern nicht die Existenz. Und schauen wir weg, bis die nächste Fabrik einstürzt?“ Mit diesen Worten zitierte Lothar Kleipaß vom Internationalen Ländlichen Entwicklungsdienst (ILD) in Bonn bei der Bangladesch-Tagung in Niederalteich die Bemühungen der Politik, die Bedingungen in den Textilfabriken nicht weiter hinzunehmen. Kein geringerer als Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) stellte Mitte Oktober seinen Aktionsplan mit diesen Sätzen für nachhaltige Textilien in Berlin vor. „Akzeptable soziale und ökologische Standards in den globalen Zulieferfabriken – das ist das Ziel“ so Müller.

Mit diesem Thema beschäftigte sich im Schuljahr 2013/14 auch eine Projektgruppe des St.-Gotthard-Gymnasiums der Benediktiner Niederaltaich. Die Schüler fragten sich, wo in unserer Gegend fair gehandelte und ökologisch hergestellte Textilien zu kaufen wären und informierten sich über Prüfsiegel. Entstanden ist ein Flyer, der Prüfsiegel und Läden im Deggendorfer Raum, die die Kriterien erfüllen, aufführt. Im Sommer wurde die Projektgruppe von Bundespräsident Joachim Gauck nach Berlin eingeladen und ausgezeichnet.

Dies war auch der Anlass, weshalb der Verein „Partnerschaft Shanti – Bangladesch e.V.“, eine nicht staatliche Entwicklungshilfsorganisation (NRO), ihr Herbsttreffen im Oktober 2014 im Kloster Niederalteich und in den Räumen des St.-Gotthard-Gymnasiums abhielt. „Dieses Projekt der Schüler zeigt sehr schön, dass wir den Aufruf des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zum Mitmachen und Mitgestalten ernst nehmen sollten“. Kleipaß zeigte in seiner Präsentation Schwerpunkte der 20-jährigen Zusammenarbeit zwischen Shanti Deutschland (das bengalische Wort Shanti bedeutet ‚innerer Friede‘) und dem ILD. „Entwicklungsarbeit sollte grundsätzlich davon ausgehen, dass es am Ende nicht schlechter wird, als es momentan ist“. Das Motto des BMZ „Gemeinsam viel bewegen“ werde auch von Shanti Deutschland beherzigt und gewährleiste, dass der Mensch im Mittelpunkt des Interesses stehe.

Von der Umsetzung der Arbeit in Bangladesch und den Schwerpunkten vor Ort berichteten zwei Gäste aus Bangladesch: Dhananjoy Debnath von Dipshikha Bangladesh (deutsch: ‚Lichtfunke‘) und Abu Naim Mohammad al Amin von Aloha Social Services Bangladesh (ASSB). Beide NROs arbeiten als Partner mit Shanti Deutschland eng zusammen.

„If you want to go far, you have to go with others“ (Wenn Du weit gehen willst, geh‘ mit anderen) – damit eröffnete Dhananjoy, Projektkoordinator in Rudrapur, seine Ausführungen. Die Schwerpunkte seiner Arbeit liegen in der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Dorfbewohner, sowie in der Gründung von Vereinigungen. „Sowohl Frauenvereinigungen wie auch Bauernverbände seien anzustreben, damit wir über die Rechte und Möglichkeiten aufklären können“, so Dhananjoy. Schwierig sei es aber dann, wenn Frauen oder Bauern Benachteiligungen bzw. Probleme als solche nicht erkennen würden. Oft werde es als natürlich angesehen, wenn Frauen von ihren Männern geschlagen würden, erzählte der Bengale.

Abu Naim, ebenfalls Projektkoordinator, berichtete, dass zu Beginn der Projektphase in seinem Gebiet im Nordosten von Bangladesch 85% der Bevölkerung keinen eigenen Brunnen und 46% keine Toilette gehabt hätten. Vor allem in der Regenzeit stellten die weiten Wege zu den Brunnen und die fehlenden Latrinen ein Problem dar. In der Zwischenzeit seien 15 Tiefbrunnen gebaut worden. Auch seien 125 Häuser für Slumbewohner errichtet worden, wo sich die Bewohner inzwischen selber organisieren würden und ASSB nur noch beratend tätig sein müsse. Im landwirtschaftlichen Bereich gäbe es Fortschritte in der Geflügelzucht und bei der Verwendung von organischem Dünger. Gemüse werde angebaut und die Fischzucht forciert, damit Mangelerkrankungen verringert werden könnten. Manche Familien würden Tomaten- oder Mangosetzlinge ziehen, um so Einkommen zu erwirtschaften. Der Schwerpunkt der Arbeit von Abu Naim liegt in der Verbesserung der Lebensbedingungen auf dem Land, damit die Landflucht eingedämmt werden kann.

Zur Freude aller konnten Vertreter des St.-Gotthard-Gymnasiums einen Scheck über 2500 Euro an Shanti übergeben. Verschiedene Gelder flossen dazu im vergangenen Schuljahr zusammen. So spendete eine Tippgemeinschaft zur Fußball-Weltmeisterschaft ihren Erlös, die Kaffeekasse des Lehrerzimmers kam dazu, Wettbewerbsgewinne von einzelnen Klassen wurden gespendet und vier Klassenpatenschaften eingezahlt. Emma Wölfl verkaufte selbst Geschneidertes bei Basaren an der Schule und spendete den Erlös. Und auch das Preisgeld von 500 Euro, welches der Projektgruppe für ihren 3. Platz beim Bundeswettbewerb des Bundespräsidenten überwiesen wurde, kam als Spende hinzu. Emma Wölfl hatte zusammen mit Julia Forster, Carmen Werrlein, Theresa Eder und Lisa Holzinger eine Überraschung für die knapp 50 angereisten Gäste parat. Nachdem die Schülerinnen ihr Projekt vorgestellt hatten, bekam jeder als Andenken an die Tagung ein selbst genähtes „kleines Monster“ mit nach Hause.

Stellvertretender Schulleiter Hubert Kaineder freute sich über das Treffen im Kloster und in der Aula der Schule. „Durch die Begegnung von Menschen aus verschiedenen Kulturen verändert sich der Blick auf die Probleme am anderen Ende der Welt“, so Kaineder. Er stellte auch einen „Entwicklungspolitischen Schüleraustausch“ (ENSA) des St.-Gotthard-Gymnasiums 2016 in Aussicht. Nach einer Planungsphase im kommenden Jahr könnte sich eine Schülergruppe auf den Weg nach Bangladesch machen, um unsere Partnerschule in Bangladesch und die geförderten Projekte zu besuchen. Die Zusammenarbeit zwischen dem St.-Gotthard-Gymnasium und Bangladesch wird also weitergehen, denn im Anschluss zeigten einige Eltern und Schüler Interesse an einem solchen Schüleraustausch.

Der Verein Partnerschaft Shanti – Bangladesch ist komplett ehrenamtlich tätig und hat derzeit 200 Mitglieder. Die beiden Vorsitzenden Birgit Kleipaß aus Bonn und Larissa Wagner aus München freuten sich über das gelungene Wochenende in Niederalteich und brachten das Engagement aller Beteiligten auf den Punkt: „Alles ist wie der Ozean, alles fließt und berührt sich. An einer Stelle rührst du es an und am anderen Ende der Welt wird es gespürt und hallt es wider.“

Lothar Kleipaß vom Internationalen Ländlichen Entwicklungsdienst in Bonn hatte mit Dhananjoy Debnath (2.v.re.) und Abu Naim Mohammad al Amin (3.v.re.) aus Bangladesch interessierte Zuhörer.

Die Tagungsteilnehmer stellten sich zum Gruppenfoto im Innenhof des Klosters Niederalteich auch. Mit dabei war auch Dr. Josef Rehrl (stehend 7.v.li.), der mit den Gästen einen geführten Spaziergang durch Niederalteich machte.

Eingerahmt von der Weltkarte auf der einen und Moderationskarten auf der anderen Seite, berichteten Projektkoordinatoren aus Bangladesch von ihrer Entwicklungsarbeit. Hier Dhananjoy Debnath von Dipshikha Bangladesh zusammen mit der Vorsitzenden des Vereins Partnerschaft Shanti – Bangladesch, Birgit Kleipaß.

Emma Wölfl (v.re.), Julia Forster, Carmen Werrlein, Lisa Holzinger und Theresa Eder stellten ihr Projekt „Ökologische und fair gehandelte Textilien im Deggendorfer Raum“ vor und hatten als Mitgebsel selbst Genähtes für die Tagungsteilnehmern vorbereitet.