Religiöses Fundament und soziales Engagement

Verantwortung auf christlicher Basis im benediktinischen Geist

Der Geist der benediktinischen Spiritualität drückt sich aus in verschiedenen religiösen Aktivitäten der ganzen Schulfamilie. So unternehmen bereits die 5. Klassen eine Fußwallfahrt zum rund sieben Kilometer entfernten Geburtshof des Hl. Gotthard, dem Namenspatron der Schule. Die 6. Klassen fahren in die Jugendbildungsstätte Kloster Windberg, um sich auf das Sakrament der Firmung vorzubereiten und Tage der Gemeinschaft zu erleben. Die Schulfirmung ist ein besonderes Ereignis, da die Schülerinnen und Schüler entweder von „ihrem Abt“ oder vom Passauer Diözesanbischof das Sakrament der Firmung in der Basilika Niederaltaich empfangen. Die 7. Klassen können am „Klostertag“ das Leben der Mönche kennenlernen. Das Fest des Hl. Benedikt am 11. Juli wird von Schule und Konvent gemeinsam in einem „Akademietag“ der Q 11 gefeiert. Neben diesem religiösen Fundament soll das Handeln der Schüler aus einem sozialen Verantwortungsbewusstsein heraus erfolgen. Das Schülermentorenprogramm (SMP) der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ) als feste Einrichtung bereichert seit 2010 mit spirituellen, bildungspolitischen und sozialen Angeboten das Schulleben.

Das St.-Gotthard-Gymnasium sieht es als seine Aufgabe, die zahlreichen Hilfs- und Sammelaktionen verschiedener Schülerarbeitsgemeinschaften sowie die intensiven Klassenpatenschaften mit Partnern auf den verschiedenen Kontinenten zu unterstützen.

 

Help the children – Hilfe für Betrawati e.V.

Bereits seit dem Jahr 2000 gibt es das Engagement für Kinder in Nepal. Über den Verein „Help the children – Hilfe für Betrawati e.V.“ werden im Durchschnitt pro Schuljahr fünf Patenkinder an Patenklassen unserer Schule vermittelt, die finanziell unterstützt werden. Regelmäßig berichtet das Ehepaar Tina und Stefan Heigl über die Situation in Nepal.

 

Associacao Menores com Christo – Gemeinschaft Die Kleinen mit Christus

Neben den Nepal-Klassen gab es von 2008 bis 2016 zwei Patenschaften mit dem Kinderdorf AMECC in Guarabira/Brasilien. AMECC (Associacao Menores com Christo – Gemeinschaft Die Kleinen mit Christus) wurde von einem Passauer Diözesanpriester im Jahre 1990 gegründet. Insgesamt leben jeden Tag circa 230 Kinder und Jugendliche im Kinderdorf: in zwei Jugendhäusern leben Jungen zwischen 6 und 18 in Vollzeitbetreuung, in vier Jugendhäusern sind Mädchen und Jungen in Ganztagsbetreuung untergebracht, die Schule São Rafael bietet Unterricht ab der 1. Vorschulklasse bis zur 5. Grundschulkasse für die Kinder aus dem Dorf und den umliegenden bedürftigen Stadtvierteln, Kleinkinder im Alter von 1 bis 4 werden ganztägig im Kindergarten versorgt. Alle Kinder und Jugendlichen im Dorf haben ihre eigene, manchmal etwas traurige Geschichte. Die Finanzen werden hier über den Verein „Kinderdorf Guarabira e. V.“ abgerechnet.

 

Partnerschaft Shanti – Bangladesch e.V.

Eine eigene Partnerschule haben wir allerdings in Bangladesch, wo wir seit 2005 Patenschaften pflegen und wir zwischenzeitlich auf das 10-jährige Jubiläum blicken konnten. Bei der Patenschaft mit der Schule arbeiten wir hier sehr intensiv mit der Hilfsorganisation „Partnerschaft Shanti – Bangladesch“ e.V., einer Nicht-Regierung-Organisation (NRO) in Deutschland, zusammen. In enger Partnerschaft mit zwei NROs in Bangladesch werden hier unterschiedliche Projekte unterstützt. Wir halten diese Arbeit als sehr sinnvoll und zukunftsweisend, weshalb wir diese Organisationsform etwas näher darlegen möchten.

 

Unsere Partner in Bangladesch

Die Organisation „Partnerschaft Shant-Bangladesh“ e.V. wurde 1983 als Partnerverein der Organisation „Dipshikha“ gegründet. „Dipshikha“ entstand 1979 aus einem Kontakt zwischen dem katholischen Pfarrer Klaus Beurle und einigen engagierten Bengalen, die die Armut vor allem in den ländlichen Gebieten von Bangladesh bekämpfen und die Dorfentwicklung fördern wollten. Es folgte die offizielle Gründung und Benennung des Vereins „Dipshikha“ (dt. Lichtfunke), dessen Entwicklungsansatz von einem Freundeskreis in Deutschland sehr befürwortet wurde. Sie unterstützten „Dipshikha“ finanziell und ließen sich 1983 offiziell als gemeinnütziger Verein unter dem Namen „Partnerschaft Shanti-Bangladesh“ registrieren. Es folgten erste direkte Kontaktknüpfungen zwischen den Deutschen und den Bengalen durch einige Freiwillige, die einige Monate in den Dörfern Bangladeshs wohnten. 2001 kam neben „Dipshikha“ noch „ASSB“ („Aloha Social Services Bangladesh“) als Partnerorganisation von „Shanti“ hinzu. Heute zählt „Shanti“ mehr als 180 Mitglieder in Deutschland und Österreich, wobei in den letzten Jahren noch ein eigenständiger Verein in der Schweiz hinzukam. Die Organisation „Shanti“ basiert auf einem freundschaftlichen Verhältnis mit den Partnern in Bangladesh und wird ausschließlich von ehrenamtlichen Mitgliedern aller Altersgruppen unterstützt. Diese Tatsache betont die gemeinnützigen Einstellungen und die Ziele der Mitglieder und des Vereins, welche im allgemeinen den Einsatz für eine gerechtere Welt erreichen wollen. „Shanti“ leistet ausschließlich finanzielle Unterstützung an die Projekte der Partnervereine „Dipshikha“ und „ASSB“, betreibt somit keine eigenen Projekte. Die Unterstützung der beiden Partnervereine dient primär der Verbesserung der Lebensbedingungen in Bangladesh, weswegen sich die Fördergelder beispielsweise auf Selbsthilfeprogramme oder eine Förderung der Dorfentwicklung richten. Es soll also keine vorrübergehende, sondern eine nachhaltige Hilfe geleistet werden, die spezifisch und individuell auf den Empfänger ausgerichtet ist und somit effektiv eingesetzt wird. Weitere Ziele Shantis sind außerdem der Einsatz für interreligiösen Dialog und interkulturelle Verständigung. Um diese Ziele umzusetzen und zu erreichen, beinhalten die Projekte individuelle und auf den jeweiligen Bedarf abgestimmte Beratung, finanzielle Unterstützung sowie Trainingsmaßnahmen in Bereichen wie Landwirtschaft, Einkommen schaffende Maßnahmen und Frauenförderung. Vor allem die Fähigkeit zur Selbsthilfe soll gefördert werden, sodass die Bedürftigen nur für einen absehbaren Zeitraum auf die Hilfsorganisation angewiesen sind.

Bei den zweimal im Jahr stattfindenden Arbeitsgruppen in Form eines Frühlings- und Herbsttreffens waren bereits zweimal Schüler unserer Schule vertreten und haben die an unserer Schule entstandenen und bei den Schulwettbewerben des Bundespräsidenten zur Entwicklungspolitik mit einem dritten und einem zweiten Platz ausgezeichneten Projekte vorgestellt. Über „Partnerschaft Shanti-Bangladesh“ hat die Abiturientin unseres Gymnasiums Laura Pirgie (Absolvia 2006) an einem mehrmonatigen Freiwilligenaustausch mit ASSB teilgenommen. Regelmäßig informieren die Religionslehrer die teilnehmenden Patenklassen (im Durchschnitt sind es pro Schuljahr fünf Schulklassen) über die Projekte in Bangladesch. Dies wird ermöglicht durch regelmäßige Informationsschreiben von „Partnerschaft Shanti-Bangladesh“. Darüber hinaus laden wir, wenn immer möglich, bengalische Gäste während ihres Deutschlandaufenthaltes über „Partnerschaft Shanti-Bangladesh“ an unsere Schule ein. Sie berichten den Patenklassen von der Situation in Bangladesch und deren Arbeit. Neben den Informationen zur Armutsbekämpfung haben wir auch stets den interreligiösen Dialog im Blick. Organisiert wird der Verein momentan von einem Dreierteam mit den Vorsitzenden Dr. Christiane Eickhof, Fritz Nonnenmacher und Larissa Wagner. Larissa Wagner war vor wenigen Jahren an unserer Schule und hat beim W-Seminar „Eine Welt – Unsere Verantwortung“ über die Arbeit von Nicht-Regierungs-Organisationen referiert. Die 17 Schülerinnen des W-Seminars verfassten ihre Seminararbeit über 17 unterschiedliche NROs.

 

Gestaltung der Patenschaften mit Bangladesch

Seit 2005 besuchen uns regelmäßig Vertreter der NGO Dipshihka an unserer Schule während ihres Deutschlandaufenthaltes. So war der Schulleiter unserer Partnerschule Schule (DIPSHIKHA BHABAN/Modern Education and Training Institute, 282/5, First Colony, Mazar Road, Mirpur-1, 1218 Dhaka) bereits zu Besuch am St.-Gotthard-Gymnasium. Der ehemalige Direktor von Dipshikha Bangladesh, Mahbubul Islam, war regelmäßig zu Besuch in Deutschland und hat schon des öfteren unsere Schule besucht. Auch hier gibt es mittlerweile ein Führungsteam, das regelmäßig Besuche aus Bangladesch in Deutschland ermöglicht. Unsere Partnerschule sowie die unterstützten Projekte liegen im Nordwesten von Bangladesch in der Region Dinajpur. Bei Besuchen der Verantwortlichen wurden Briefe und Plakate zwischen den Schulen ausgetauscht. Ein Lehrer des St.-Gotthard-Gymnasiums war 2010 zu Besuch im Projektgebiet in Bangladesch und ist mit den dortigen Schülern und Verantwortlichen ins Gespräch gekommen.

Aus den Besuchen und Kontakten entwickeln sich Klassenpatenschaften, bei denen jeder Schüler
1,- Euro pro Monat in eine Kasse einzahlt. Die Schüler beginnen, sich in der 6. Jahrgangsstufe über die Arbeit in Bangladesch im Rahmen des Religionsunterrichtes zu informieren. In manchen Klassen wird der Wunsch geäußert, sie möchten die Arbeit unterstützen. Dadurch entstehen Klassenpatenschaften, die einerseits im eigenständigen Einsammeln der Gelder besteht, sich andererseits dadurch kennzeichnet, dass regelmäßig die Informationsschreiben des Partners Shanti vorgelesen und im Klassenraum hinterlegt werden. Als Ganztagsschule bis zur 10. Jahrgangsstufe haben die Schüler die Möglichkeit, sich eigenständig in die Informationen einzulesen. Durch Grüße in Plakat- bzw. Briefform wurden in manchen Jahrgangsstufen die Kontakte intensiviert. Eine Absolventin des St.-Gotthard-Gymnasiums verbrachte 2006 eine Zeit als Freiwillige bei ASSB, ebenfalls einem Projektpartner von Shanti Deutschland. Verschiedene Aktionen für die Patenschaften wurden an der Schule in den vergangenen Jahren durchgeführt und der Erlös zusammen mit den monatlichen Einnahmen an Shanti gespendet. Beispiele für Aktionen sind etwa Kuchenverkauf, Wohlfartsmarken- und Postkartenverkauf und Konzerte. Durch Bilder und die Veröffentlichungen von Shanti e.V. wird regelmäßig den Schülern der Patenklassen die Situation beim Projektpartner veranschaulicht. Eine Projektgruppe der Schule beteiligte sich 2012 am Wettbewerb des Bundespräsidenten zur Entwicklungspolitik mit dem Beitrag „perspektive wechseln“ und erreichte einen 4. Platz. Sie konzipierten eine Ausstellung mit 17 Rollups, auf denen vergleichende Bilder aus dem Alltag in Deutschland und Bangladesch zu sehen waren. Beim Wettbewerb 2014 erreichte eine weitere Gruppe (entstanden aus dem einstündigen Fach „Aktivphase: Auf dem Weg zur Mitte“ - freiwillige Teinahmemöglichkeit/Verpflichtung für ein Schuljahr) mit dem Beitrag „Nähen für Leben“ einen 3. Platz. Sie erarbeiteten einen Flyer, der sich mit der Textilindustrie bzw. fair gehandelten Textilien beschäftigt.

Im Schuljahr 2015/16 war ein einstündiger Wahlunterricht „Engagement global“ an unserer Schule eingerichtet, der sich mit dem neuen Wettbewerbsthema auseinandersetzte und zwei Wettbewerbsbeiträge eingereicht hat. Auch dieser Beitrag wurde überregional beachtet.

Resumee

Die Initiativen unserer Klassen und Gruppen unterstützen wir am St.-Gotthard-Gymnasium sehr gerne. Wir sind überzeugt, dass die Projekte in vielerlei Hinsicht für die einzelnen Schüler, für die Partner unserer Schule wie auch für unsere Schulgemeinschaft einen großen Gewinn darstellen.

Die Klassenpatenschaften wie auch die Schulpartnerschaft bilden seit Jahren einen festen Bestandteil im Schulleben und werden auch von unseren Lehrkräften in den Klassen thematisch wie ideell unterstützt. Als kirchliches Gymnasium sind wir sehr froh, Schülerinnen und Schüler in unserer Schulgemeinschaft zu haben, die den Wertvorstellungen unseres Hauses entsprechen und die Projekte mit viel Herz und Einsatz mit Leben füllen und zum Erfolg führen.